Tschechien mit Abstecher nach Polen August 2017

Tschechien – Polen 2017

Und wieder beginnt der Bericht nicht zu Hause sondern startet bereits vor der Tour und mit einem überaus erfreulichen Ereignis, dessen Ursprung ganz im Süden unserer schönen Republik liegt. Seit langem hadere ich mit den Innentaschen für die BMW Koffer. Die Originaltaschen haben nämlich den Reißverschluss ungefähr in der Mitte und vor allem, es ist kein umlaufender Reißverschluss, d.h. man kann den Deckel nicht so nach hinten aufmachen, dass die Tasche offen ist und von oben befüllt werden kann. Irgendwann habe ich mir einen zweiten Reißverschluss einnähen lassen, was aber das Problem nicht wirklich gelöst hat. Und jetzt habe ich einfach mal gegoogelt und siehe da einen Hersteller gefunden, der Super-Innentaschen anbietet und das auch noch deutlich günstiger als die gute alte Tante BMW (Irgendwie müssen die ja auch ihr Diesel Desaster finanzieren). Meine neuen Taschen haben an beiden Kanten Reißverschlüsse, der Deckel lässt sich von beiden Seiten komplett öffnen und einen gummierten Boden, falls es ja mal feucht sein sollte. Preis weniger als 50.- € pro Stück. Hier der Link zum Hersteller und, damit keine Vermutungen aufkommen, ich habe die Taschen regulär gekauft und bezahlt und schreibe diese Lobeshymne erst nach dem Gebrauch.

http://www.kofferinnentaschen-fuer-bmw.de

Zur Tour selbst, deren Beschreibung ich in Niederbayern beginne, wo ich nach einer fröhlichen „Italienischen Nacht“ der Technischen Hochschule Deggendorf gestartet bin. Sonntags früh so gegen 09.00 Uhr starte ich in Teisnach über Bodenmais bei wenig Verkehr auf einer wunderbaren Straße mit sehr gutem Grip und herrlichen Kurven hoch zum Arber. Beeindruckend diese dunklen Tannenwälder, die sich direkt von der Straße weg in die Berge hoch hinstrecken und ein anderes Bild geben, als die Laubwälder des Voralpenlandes. Der Himmel allerdings nicht ganz bayrisch weiß-blau sondern eher grau durchsetzt mit blauen Streifen. Jedenfalls trocken und eine schöne Fahrt zur  tschechischen Grenze. Auf der anderen Seite des Arbers, auf der tschechischen Seite, öffnet sich das Land in eine sehr weite, hügelige Landschaft, wo sich Ackerflächen mit Laubwäldern abwechseln. Nett zu fahren und viel Zeit zum Schauen, denn die fahrerische Herausforderung hält sich ziemlich in Grenzen. In der Höhe von Pilsen auf die D5 und dann eilig an Prag vorbei, was angesichts der bestehenden Baustellen (August 2017) auch keine reine Freude ist. Nach Prag jedoch nicht auf der E65 bleiben sondern auf die Staatsstraßen 8 und dann 16 in Richtung Melnik. Hier fließen Elbe und Moldau zusammen und es gibt ein bekanntes „Beinhaus“. Wer da nicht hin möchte, sollte hinter Melnik auf der Straße Nr. 9 Vorsicht walten lassen. Es ist wahrlich ein gut ausgebautes Sahnestückchen aber ich bin es sonntags gefahren und das waren offensichtlich alle tschechischen Aspiranten  auf besagtes Beinhaus unterwegs.  In einer der schnellen Linkskurven, die ich von außen nach innen anfahren wollte, wurde ich plötzlich mit einem entgegenrasenden schwarzen Helm, samt Ped darunter konfrontiert. Der Kollege war blöderweise auf meiner Straßenseite und wohl ein klein wenig zu schnell. Wäre ich ein Auto gewesen, hätte der/die kein Bier mehr getrunken. Es ist aber nur ein kurzes Wegstück, welches ich als Highlight bezeichnen würde, dann geht über die 38 nach Böhmisch Leipa. Eine Kleinstadt, die sich durch einen schönen Marktplatz auszeichnet, der wiederum zum gebührenpflichtigen Parkplatz umfunktioniert wurde. Die Stadt sollte Ausgangspunkt für meine Fahrt durch die Biker-Höhle  „Pekelné Doly sein.  Waldreich und leicht hügelige Umgebung ließen mich in Vorfreude über die wirklich kleinen Straßen schwingen. Inmitten des Elbsandsteingebirges suchte ich nach dieser Höhle, die gut versteckt liegt. Am Ende des Tages habe ich die Einfahrt dann doch gefunden, doch die Enttäuschung war groß, denn die Zufahrt war verrammelt  und leider kein Hinweis darauf, wann und wie das Tor vom örtlichen Motorradclub aufgemacht wird. Das Umdrehen auf dem ziemlich steil ansteigenden Waldweg vor dem Tor war spannend. Ein bißchen schade , aber das war nicht der einzige Frust. Ein angenehmes Fährtchen führte mich nach Reichenberg, auf einen wunderschönen Marktplatz mit Kirche und Rathaus vom Allerfeinsten. [Bild]. Am Rande fand ich in einem Eckcafe unter einem Sonnenschirm etwas Schutz vor dem gleißenden Sonnenstern und es gab ½ l echtes Pils vom Faß für 2,30 €. Doof, wenn die Maschine wartet.  Aber dafür hat mich später die Fahrt auf der 14 am Rande des National Parks in Richtung polnische Grenze entschädigt. Zunächst fahrerisch relativ langweilig über Tanvald nach Nachod. Dann gilt es nur noch, nach Nachod die richtige Abzweigung zu finden, um über Ceska Cermna  auf die 311 zu kommen. Malerische Sträßchen, durch kleine Alleen manchmal, dachte ich schon, das ist eine Hofeinfahrt, aber es ging immer weiter. Zwischendurch ein weiter Blick über sommerliche agrarisch geprägte und schöne Landschaften und dann parallel zur Grenze ist man auf einmal mittendrin im Adlergebirge, einem großartigen Flächennaturschutzgebiet. Kiefern und auf großen freien Flächen auch Krüppelkiefern wechseln sich mit Grasbestand ab und eigentlich dünkt man sich deutlich höher als die im Schnitt 1.200m. Aber auch nach dem Stück auf der 311 gilt (für mich), landschaftlich ausgesprochen reizvoll, liebevolle und freundliche Menschen und sehr preiswertes und deftig-gutes Essen aber, zum Pedfahren muss man nicht unbedingt hierher. Auf der polnischen Seite merkt man zunächst keinerlei Unterschied. Die Ziegen sehen genauso aus und ich glaube, dass die direkt an dieser nicht vorhandenen Grenze durchaus auch vom tschechischen Gras naschen. Was für ein Wahnsinns Gefühl. 72 Jahre nachdem meine Vorgeneration so viel Elend und Leid auch über Polen gebracht haben, fahre ich ohne Grenzformalitäten, ohne Schranken, ohne Zöllner und Polizei durch Osteuropa.   Möge uns dieses Geschenk erhalten bleiben. Der kurze Abstecher nach Polen, lässt mich nach Ottmachau kommen. Da steckt etwas Familiengeschichte dahinter, denn der Opa meiner Frau hat den dortigen Stausee gebaut, nicht mit Schaufel und Spitzhacke, sondern geplant und verantwortet. Schön hat er es gemacht. Es ist ein Stausee ohne Talsperre oder einer gigantischen Staumauer, sondern es wurde über eine weite Ebene ein gigantischer Wall gelegt, um die Hochwasser der Neiße zu bändigen. Das scheint ihm insofern gelungen zu sein, als dass am See neben dem malerischen Ort ein munteres Badetreiben stattfindet. Die Stadt Neiße (Nysa) hat mich nicht so sehr beeindruckt und so ging’s am nächsten Morgen flugs wieder nach Tschechien. Über Freiwaldau ab auf die 44 und da machte es mal wieder richtig Spaß – und fast zuviel. Nach Waldenburg schlängelt sich die Straße ein Stück am Tal entlang. Immer wieder sieht man Kurvenspitzen, wie sie um eine Hügelecke führen und die Straße dann wieder verschwindet. Tja und da sah ich doch einen Pedfahrer entgegenkommen, von dem ich dachte, dass er rasend schnell unterwegs ist.  Nun, ich fuhr auch ganz leicht über dem zulässigen Limit und wir kamen uns ziemlich rasch näher. Ein kurzer Blick bei der letzten Spitze vor mir und es war klar, dass es eine BMW ist, und zwar richtig schnell. Dann sah ich ihn, vor mir aus einer Linkskurve kommen, dann kam die kurze Gerade und er musste mir in der Rechtskurve begegnen. Ich fand’s richtig gut und hob die Hand zum fröhlichen Gruß und das Blut erstarrte mir in den Adern. Ein blau-weißes Polizeimotorrad. Aber auch von seiner Seite einer fröhlicher Gruß und weg war er. Die Augen nicht mehr vom Rückspiegel nehmend, hoffte ich, er würde nicht umdrehen, denn dass ich eben doch etwas zu schnell war, erschien offensichtlich. Er kam nicht und womöglich hatte er einfach genauso viel Lust am Fahren wie ich auch. Gott sei Dank traf ich kurz darauf auf die sehenswerte Kirche und schickte ein kurzes Dankeschön nach oben. Irgendwie wähnte ich mich beim Kirchenanblick kurz in Norwegen aber nette Tschechen klärten mich auf, dass es eben auch in Tschechien derartige Holzkirchen gibt. Und weiter ging die Fahrt durch das heiße Tschechien in den Ostteil des Landes nach Ostrau. Wunderbares kleines Cafe und ein toller Salat mit rote Beete und Käse. Wasser und Kaffee dazu und alles ist gut [Bild]. Nochmals durch die tschechische Agrarlandschaft und dann die Schnellstraße Richtung Brünn. Da habe ich wieder bemerkt, dass mein Motorrad doch ganz was Besonderes ist, denn der Betrag, den Sie mir für den Parkplatz vor dem Hotel in Brünn abknöpften, war so hoch wie der für mein Zimmer in der polnischen Stadt Neiße. Nun, Brünn ist eine touristische Hochburg und sicher ist der Kern auch sehenswert. Man darf sich durch die aneinandergereihten Pizzerias, Starbucks und den ganzen anderen Käse aber nicht verwirren lassen, eigentlich ist man schon noch in Tschechien. Ein bisschen Rummel eben und Touris überall. Am nächsten Morgen über die Österreichische Grenze (ich erkannte Sie nur am Schild) und das Ziel Großglockner im Kopf. Da blieb‘s denn auch, denn nach herrlichem Sommerwetter in Tschechien wollte ich einfach nicht bei 1 bis 2 Grad und Regen und eventueller Schneewahrscheinlichkeit über den Berg. Aber ich komme wieder, denn einmal in meinem Leben will ich den Großglockner auch bei Sonne fahren und Zeit hab ich noch, der Berg steht (und ruft).

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